Hinweis der Redaktion: Dies ist der erste Teil der gemeinsamen Stellungnahme. Das vollständige Dokument umfasst sieben Seiten.
Gemeinsame Stellungnahme der unterzeichnenden Verbände zum Entwurf eines Gesetzes zur Einführung schulischer Vorkurse zur Förderung der Sprachkompetenz (18. Schulrechtsänderungsgesetz). Sankt Augustin, 10.02.2026.
Sehr geehrte Frau Ministerin Feller, sehr geehrter Herr Dr. Mauer, sehr geehrter Herr Bals, sehr geehrte Damen und Herren,
die unterzeichnenden Verbände, LAG Selbsthilfe NRW, GLGL NRW, GGG NRW sowie die Landeselternkonferenz Nordrhein-Westfalen (LEK NRW), begrüßen ausdrücklich das Ziel der Landesregierung, die sprachlichen Kompetenzen von Kindern frühzeitig zu stärken und damit gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Bildungsweg zu schaffen. Sprachkompetenz ist eine zentrale Grundlage für schulisches Lernen, gesellschaftliche Teilhabe und Chancengerechtigkeit.
Zugleich weisen die unterzeichnenden Verbände darauf hin, dass die geplanten ABC-Klassen in der derzeit vorgesehenen Ausgestaltung pädagogische, sozialpolitische und gleichheitsrechtliche Fragen aufwerfen und die Gefahr neuer selektiver Strukturen bergen.
Unser zentrales Anliegen lässt sich wie folgt zusammenfassen: Förderung ja, aber ohne neue Sortierlogiken, ohne Defizitstigmatisierung und ohne zusätzliche Übergangssysteme. Stattdessen braucht es eine konsequente Stärkung der bestehenden frühkindlichen Bildungs- und Förderstrukturen.
1. Frühzeitige Förderung als gemeinsamer Auftrag
Eltern unterstützen ausdrücklich den Gedanken, Sprachförderung möglichst frühzeitig und systematisch zu gestalten. Die ABC-Klassen können hierzu einen ergänzenden Beitrag leisten. Gleichzeitig erscheint es sinnvoll, diesen Ansatz stärker mit den bestehenden Förderstrukturen in den Kindertageseinrichtungen zu verzahnen. Verbindliche Standards für die Zusammenarbeit zwischen Kitas, Gesundheitsämtern und Grundschulen könnten dazu beitragen, Übergänge für Kinder verlässlicher und kontinuierlicher zu gestalten. Die unterzeichnenden Verbände heben hervor, dass nicht das Etikett „Frühförderung“, sondern die konkrete Ausgestaltung und Wirkung der Maßnahmen im Bildungsalltag entscheidend ist.
Vor diesem Hintergrund stellen die unterzeichnenden Verbände die grundsätzliche Frage, warum Sprachförderung nicht vorrangig und verbindlich im vertrauten Setting der Kindertageseinrichtungen für alle Kinder ausgebaut wird, anstatt neue schulische Vorkurse für eine selektierte Gruppe zu etablieren.