Liebe Eltern und Erziehungsberechtigte,
nachdem unsere Forderungen nach mehr Chancengerechtigkeit im Bereich Bildung und Inklusion auf unserer großartigen Demonstration am 21.09, von der Politik leider größtenteils ignoriert wurden, heißt es nun den Druck auf die Stadt Köln aufrecht zu erhalten bzw. noch zu erhöhen! Deshalb wollen wir unseren Protest fortsetzen und weiterhin öffentlich auf die gefährlichen Folgen aufmerksam machen, die es mit sich bringt Schule und Kinder so zu vernachlässigen.
Dafür brauchen wir eure Unterstützung!
Wir möchten weitere Protestaktionen organisieren und uns dafür stärker mit anderen Schulen und Initiativen vernetzen. Gerade inklusive Gesamtschulen als Orte, an denen Vielfalt selbstverständlich ist und jedes Kind die Chance auf Bildung und Teilhabe erhält, müssen wir unbedingt als ein wichtiges gesellschaftliches Projekt verteidigen.
Wir brauchen jede und jeden von euch, um Projekte zu entwickeln, gemeinsam zu planen, Öffentlichkeit zu schaffen und Inklusion sichtbar zu machen. Es gibt bereits erste Ideen für den Tag der offenen Tür oder den Tag der Menschenrechte aber auch weitere Aktionen vor dem Schulausschuss oder Veranstaltungen in der Schule sollen geplant und umgesetzt werden. Diese Ideen sind erste Ansätze. Damit daraus wirksame Aktionen werden, brauchen wir Menschen, wie euch, die sich mit ihren Ideen, ihrer Zeit und ihren Möglichkeiten einbringen.
Ob ihr bei der Planung helfen, Kontakte zu anderen Schulen herstellen, Texte und Beiträge für die Öffentlichkeitsarbeit verfassen, auf Social Media unterstützen oder bei einer Protestaktion mitwirken möchtet – jede Unterstützung ist willkommen.
Es geht um die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen. Gute Bildung, Inklusion und echte Teilhabe dürfen nicht den Sparmaßnahmen zum Opfer fallen. Lasst uns gemeinsam deutlich machen, dass wir eine solche Entwicklung nicht akzeptieren und uns für eine gerechte und inklusive Bildungslandschaft in Köln einsetzen.
Wer sich hieran beteiligen möchte oder eigene Ideen hat, ist herzlich eingeladen, zu unserem nächsten Planungstreffen am Mittwoch den 04.11 um 16:30 in Raum B018 der Gesamtschule Holweide dazu zu kommen. Je mehr Menschen sich engagieren, desto sichtbarer und wirkungsvoller können wir gemeinsam sein.
Lasst uns gemeinsam aktiv werden – für unsere Kinder, für gute Schulen und für eine inklusive Gesellschaft!
Herzliche Grüße, i. A. Sabine Scuzzarello (Elternpflegschaft Gesamtschule Holweide)
Rückblick auf die Demonstration:
LAUT und BUNT für Inklusion, Vielfalt und
Bildung an der Gesamtschule Holweide
2.500 Menschen. Eine klare Botschaft: Inklusion darf nicht kaputtgespart werden!
Schülerinnen, Eltern, Lehrkräfte und Unterstützerinnen der Gesamtschule Holweide
haben am Montag, den 21.09.2026, ein kraftvolles Zeichen gesetzt. Rund 2.500
Menschen folgten dem Aufruf der Elternpflegschaft und zogen gemeinsam, laut und
bunt, vom Bahnhof Deutz über die Deutzer Brücke bis zum Heumarkt.
Ihr Anliegen war unüberhörbar: Schluss mit Kürzungen, die Inklusion und Bildung
gefährden!
Denn an der Gesamtschule Holweide wird seit Jahrzehnten erfolgreich gemeinsames
Lernen von Schüler*innen mit und ohne Behinderungen gelebt. Doch dieses
Engagement wird durch geplante, drohende und bereits umgesetzte Kürzungen
zunehmend ausgebremst:
• 2 Therapiestellen sind seit zwei Jahren unbesetzt und werden nicht
wiederbesetzt.
• 5 Stellen im Bundesfreiwilligendienst wurden kurzfristig gestrichen.
• Die Schüler*innenbibliothek steht vor dem Aus, weil auch hier eine Stelle
eingespart wurde.
• Für schwerer behinderte Kinder im inklusiven Schulalltag ist das Problem
des Schulwegs noch immer nicht gelöst.
Das ist keine abstrakte Sparmaßnahme. Das betrifft Menschen. Jeden Tag.
Mit kreativen Schildern machten die Demonstrierenden deutlich, was die Kürzungen
für ihren Schulalltag bedeuten. Ein Trecker mit Anhänger fuhr mit der
unmissverständlichen Forderung durch Köln: „Inklusion ernst nehmen und
erhalten!“
Angeführt wurde die Demonstration von der Schüler*innenvertretung mit dem großen
Banner: „Inklusion = Menschenrecht“
Und diese Botschaft war nicht zu überhören: Sprechchöre und eine Sambagruppe
sorgten dafür, dass der Protest durch die Straßen hallte.
Auf dem Heumarkt kamen vor allem die Schülerinnen selbst zu Wort. Sie berichteten
aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen, was die bereits erfolgten und geplanten
Kürzungen konkret für ihren Alltag und für ihre Mitschülerinnen bedeuten.
Ihre Botschaft war eindeutig: Eine inklusive Schule muss für ALLE da sein.
Dafür braucht es aber mehr als schöne Worte. Es braucht Personal,
Therapieangebote, Bildungs- und Fördermöglichkeiten, Rückzugs- und
Ruheräume – und verlässliche Unterstützung für Schüler*innen mit
Behinderungen.
Seit 40 Jahren steht die Gesamtschule Holweide für gemeinsames Lernen. Dieses
Engagement verdient Unterstützung – keine Kürzungen.
Die Elternschaft machte deshalb ebenfalls unmissverständlich klar: Von der Politik
werden konkrete Maßnahmen erwartet, um inklusive Schulen zu stärken und
dauerhaft abzusichern.
Denn Inklusion ist kein Luxus. Inklusion ist ein Recht. Bildung ist ein Recht. Und
beides darf nicht kaputtgespart werden.
Wir bleiben laut. Wir bleiben bunt. Und wir bleiben dran.
Nachtrag 06.10.2026: Gespräch zwischen Amt für Schulentwicklung und Schule
lässt auf keine Lösung der bestehenden Probleme hoffen.
In einem gemeinsamen Gespräch zwischen Vertreter*innen der Schulleitung der
Gesamtschule Holweide und des Amtes für Schulentwicklung wurden die bestehenden
Probleme ausführlich diskutiert. Deutlich wurde, dass es sich um keine gezielten, sprich
politisch motiviert vorgenommen Kürzungen handelt, sondern um Maßnahmen im
Rahmen der allgemeinen Haushaltskonsolidierung. Für die Schule bedeutet dies nichts
Gutes. Sowohl die Stellen in der Bibliothek wie auch die Therapiestellen fielen so der
sogenannten Kompensation zum Opfer. Das heißt, dass alle Bereiche der Verwaltung
pauschal 3% Personalkosten einsparen müssen. Als Stellen des Bereichs der freiwilligen
Leistungen der Kommune waren diese Stellen besonders bedroht und die Tatsache,
dass dort gerade Personal wegging (in Rente, bzw. in einen anderen Arbeitsbereich)
führt faktisch dazu, dass diese Bereiche an der Schule nicht aufrecht erhalten werden.
In Bezug auf die Stellen des Bundesfreiwilligendienstes (an dieser Schule immerhin 5
Stellen) räumten die städtischen Vertreter*innen Kommunikationsprobleme ein,
blieben aber in der Sache ebenso hart. An dieser Stelle werden Finanzmittel
eingespart. Die Rückfrage auf welcher rechtlichen Grundlage diese Stellen im
Gemeinsamen Lernen gestrichen werden, an Förderschulen jedoch nicht, soll von den
städtischen Vertreter*innen noch nachträglich beantwortet werden.
Elternvertreter*innen, Schüler*innen und Kolleg*innen der Schule zeigen sich
angesichts dieser Tatsachen schockiert. Eine 3% Personaleinsparungsquote in der
Verwaltung bedeutet hier an einer Schule faktisch das Aus für den Therapiebereich
sowie für die Öffnung der Schulbibliothek. Zudem würden dem Eindruck nach noch
immer Schulen im Gemeinsamen Lernen schlechter gestellt als Förderschulen, was
einen massiven Verstoß gegen die UN Behindertenrechtskonvention 2009 sowie des
kommunalen Inklusionsplans der Stadt Köln (2016) darstellt.
Die Schulgemeinde berät weitere Maßnahmen.
Pressekontakt
Kerstin Lahr-Mertens
karlamer@posteo.de